Kennst du das Gefühl, dass dein Körper irgendwie „zu weich“ oder „zu beweglich“ ist? Vielleicht bist du extrem flexibel, knickst aber leicht um, bekommst schnell blaue Flecken oder leidest unter chronischen Schmerzen und einer tiefen Erschöpfung, die einfach nicht verschwinden will.
In der westlichen Medizin sprechen wir hier oft von Ehlers-Danlos-Syndromen (EDS) oder Hypermobilitäts-Spektrum-Störungen (HSD) – genetisch bedingten Besonderheiten des Bindegewebes. Die Ursache liegt in den Genen, die das Kollagen fehlerhaft aufbauen. Aber was bedeutet das eigentlich aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin?
Die Wurzel des Lebens: Das „Jing“
Wenn wir die TCM-Brille aufsetzen, betrachten wir den Körper nicht über seine genetischen Codes, sondern über seine energetischen Substanzen. Ein ganz zentraler Begriff ist hier das Jing – die sogenannte Nierenessenz.
Das Jing gilt als die fundamentale Lebenssubstanz, die wir bereits im vorgeburtlichen Stadium von unseren Eltern mitbekommen. Es ist wie das energetische Erbe oder das Startkapital für unser Leben. Es ist verantwortlich für Wachstum, Entwicklung und eben auch für die Festigkeit von Knochen, Sehnen und Bindegewebe.
Aus Sicht der TCM ist eine genetische Bindegewebsschwäche wie bei EDS oder HSD der Ausdruck eines von Geburt an etwas kleineren oder empfindlicheren Jing-Vorrats. Da diese Essenz die Quelle unserer strukturellen Stabilität ist, führt ein Mangel daran genau zu den Symptomen, die viele Betroffene so gut kennen: Gelenkinstabilitäten, dehnbare Haut, verzögerte Wundheilung und eine schnelle körperliche Erschöpfung.
Das Ziel: Nicht heilen, sondern stabilisieren
Da das Jing eine vorgeburtliche Substanz ist, lässt es sich nach den Lehren der TCM nicht einfach beliebig nachfüllen. Wir können genetische Mutationen nicht rückgängig machen. Doch das bedeutet keineswegs, dass wir machtlos sind!
Das therapeutische Ziel der TCM liegt bei EDS und HSD nicht in der „Heilung“ im klassischen Sinne, sondern in der bestmöglichen Stabilisierung der verbleibenden Ressourcen. Und hier kommt unsere „Mitte“ ins Spiel.
Die Rettung aus der „Mitte“
Wenn die vorgeburtliche Energie (das Jing) schwach ist, muss die nachgeburtliche Energie umso stärker sein. Diese Energie gewinnen wir Tag für Tag aus unserer Ernährung und der Atemluft. Hier spielen die Funktionskreise von Milz und Magen die Hauptrolle.
Sie sind in der TCM dafür zuständig, aus unserer Nahrung wertvolles Qi (Lebensenergie) und Blut zu produzieren, um Muskeln und das labile Bindegewebe zu nähren.
Um Menschen mit EDS/HSD energetisch zu unterstützen, liegt der Fokus in der TCM daher oft darauf:
Den „Kochtopf“ der Mitte warm zu halten: Warme, gekochte Mahlzeiten unterstützen die Verdauung, statt sie durch kalte Rohkost abzukühlen.
Die Transformation zu stärken: Damit aus der Nahrung auch wirklich nährende Essenzen für das Gewebe entstehen.
Den Fluss der Energie zu bewahren: Stressfaktoren und emotionale Belastungen laufen oft als „Energiefresser“ im Hintergrund und verbrauchen unsere wertvollen Ressourcen.
Der Perspektivwechsel
Statt zu verzweifeln, weil das Bindegewebe genetisch bedingt weniger Halt bietet, hilft uns die TCM zu fragen: „Wie kann ich meine tägliche Energieproduktion so optimieren, dass sie meine empfindliche Struktur bestmöglich stützt?“
Es geht darum, sorgsam mit den eigenen Ressourcen umzugehen, die innere Lebenskraft zu nähren und dem Körper genau die Bedingungen zu geben, unter denen er trotz seiner Instabilität stabil funktionieren kann.
„Manchmal ergibt dein Körper eben erst Sinn, wenn man ihn anders betrachtet.“
Ich wünsche dir einen Tag, an dem du gut für deine Mitte sorgst und spürst, wie du deine innere Stabilität Schritt für Schritt stärken kannst.
Schön, dass du dabei bist. Bis zum nächsten Mal! Dein Peter
Die nächsten Schritte:
Hör mal rein: In der #3 Podcast-Folge (zu finden in der App) vertiefen wir das Thema „Energie-Räuber“.
Mitbestimmen: In der kostenfreien TCM Klubhaus App läuft gerade eine Umfrage: Mach gerne mit! Deine Antwort hilft mir bei den nächsten Themen!
ℹ️ Hinweis: Die Inhalte dieses Blogs dienen ausschließlich der allgemeinen Information zu Themen rund um Gesundheit und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Sie ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder eine andere qualifizierte medizinische Fachperson. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine entsprechend qualifizierte Fachperson.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen